CHIP-TUNING FÜR MOTORROLLER

UM ETWAS UNGEWÖHNLICHES ZU ERLEBEN GENÜGT ES, EINMAL UMZUDENKEN.
Alle vorgefassten Meinungen außer Acht lassen. Plötzlich werden Dinge wahr, die man zuvor ins Reich der Fabel verwiesen hätte. Wir wollten ausprobieren, was es mit den Folienkondensatoren auf sich hat und erlebten etwas Unglaubliches. Dabei ist es kein Wunder, sondern pure Physik. Der Anruf kam überraschend. "Bernhard Hue am Apparat. Wenn Sie nichts dagegen haben, komme ich bei Ihnen Vorbei und Zeige Ihnen die Wirkungsweise der MKC und IOZ an Ihrem Testroller. Das ist besser, als wenn Sie sich nur auf schon Geschrieben verlassen." Wir sagten sofort zu, und am nächsten Tag war Hue zur Stelle, das Auto vollgepackt mit Werkzeug, Messapparaturen und Unterlagen. Bernhard Hue ist Chef der Firma I0Z-MKC in Mülheim-Kärlich, nahe Koblenz. Der Mann ist ständig in Bewegung und hielt sich deshalb nicht lange mit theoretischen Erörterungen auf. IOZ steht für Impuls Oszillator-Zündung. Er erklärt dazu: "Es geht dabei um die Umverteilung der Energie beim Zündvorgang. Wir verwenden schnellentladende Peaking-Kondensatoren, die auf den Chips in Kaskaden geschaltet sind. Der Chip unterteilt die Zündphase in viele kleine Entladungsdurchbrüche und erhöht so die Energiezufuhr an den Gasraum." Wir nickten artig, und Hue brachte die Chip an der Zündkerze und am Kerzenstecker an. Dazu zwei Chips an der Ansaugbox. Als Testroller diente der PGO T-Rex. Wir hatten ihn kurz zuvor die Messstrecke entlanggescheucht. Jetzt startete ich zur Testfahrt Nr. 1, ausgerüstet mit der l0Z. Schon im ersten Teilabschnitt lief der PG0 Tacho 10 km/h schneller, hing besser am Gas; im zweiten Abschnitt drehte der Motor statt 9300 U/min plötzlich 10200 U/min. Er klang auch anders, knorriger, heiserer, aggressiver. Wir kehrten leicht verwirrt, zurück. Bernhard Hue grinste. "Das IOZ erhöht den Wirkungsgrad im Verhältnis indizierter zu abgegebener Energie. Der Zündfunke ist jetzt kräftiger. Zudem ist das Fliesverhalten im Ansaugtrakt durch den MKC-Chip jetzt besser, deshalb der andere Sound." Er fuhr fort: "Am Vorderbau des PG0 stimmt etwas nicht. Auf dem Kopfsteinpflaster habe ich gesehen, wie das Vorderrad springt und beim Herauffahren auf den Bordstein gibt es einen Knall." Hue griff in seinen Koffer und fischte einige längere Chips heraus, die sogenannten MKC (Materialbeeinflussender Kondensator Chip). Er brachte sie an der Vorderradfelge und an der Gabelbrücke an. Wir starteten zur Testfahrt Nr.2. Gleiche Strecke. Die Vorderradgabel reagierte plötzlich sensibler auf Bodenwellen, insgesamt fühlte sich die Lenkung straffer an. Für die dritte Testfahrt wurden die MKC an der Triebsatzschwinge und der Hinterradfelge montiert, dazu zwei lange Chips zur Verbesserung der Aerodynamik an der Frontverkleidung. Diese dritte Testfahrt war der Hammer. Der PG0 saugte sich förmlich auf dem Asphalt. Selbst die Stelle, an der er zuvor immer leicht instabil geworden war - ein Bahnübergang mit üblen Bodenwellen, dann blitzschnell abwinkeln in eine enge Rechtskurve - überfuhr er jetzt fehlerfrei. Dazu flatterte die Jacke nicht mehr wie wild, sondern nur noch an den Aussenkanten der Ärmel Der PG0 fuhr sich so ähnlich wie ein großes Motorrad. Wir waren so verblüfft, dass wir erst einmal eine Pause einlegten. Bei der Kartoffelsuppe sagte Hue: "Letztlich können Sie nicht sicher sein, ob Sie sich das nicht alles einbilden, oder?" Ich wollte entgegnen, dass mir die Testfahrten als Beweis genügten. "Glauben Sie mir, selbst wenn Sie das alles messtechnisch nachweisen, glaubt es keiner der sogenannten Spezialisten. Man muss es selbst erfahren. Erst dann weicht der Unglaube der Erkenntnis." Der Mann fing an mir zu gefallen. Und plötzlich hatte ich eine Idee "Was wäre wenn Sie meine Guzzi chippen würden. Die ist ein teuflisches Ding mit einem Fahrwerksmacken den ich selbst durch Ersetzen aller nur erdenklichen Teile nicht beseitigen konnte." Hue grinste wieder "Hochgeschwindigkeitspendeln ist eine unangenehme Sache. Mal sehen, was wir da machen können." Gesagt, getan. Die Guzzi wurde mit IOZ und MKC ausgerüstet und ging auf Testfahrt. Was folgte, war die faszinierendste Erfahrung, die ich je auf einem Motorrad erlebt habe. Die Guzzi benahm sich wie verwandelt, wie gesundet. Obwohl ich noch die alten Reifen drauf hatte, war das Pumpen, Aufschaukeln und Springen fast völlig verschwunden. Nicht völlig, weil die Ursache ja nicht beseitigt war, aber die Schwingungen konnte sich nicht mehr so mörderisch auswirken. Der Motor drehte wie die Pest. Ich weiß, die Neunmalklugen werden jetzt auf schreien und von Quacksalberei reden. Mein Rat: ausprobieren und dann urteilen. TM

Bernhard Hue über die Wirkungsweise des MKC
Die Wirkungsweise des MKC ist mit einem kleinem Besen vergleichbar, der mit seinen Borsten in den Borsten eines großen Besens verhakt ist. Dabei entsprechen die Borsten den elektrischen und magnetischen Feldern, die sich auf grund der zwischen den Materialien sich ausbildenden Kontaktpoldifferenz aufbauen. Die Ausgangspunkte der Borstenbündel entsprechen jeweils den Atomen im Chip und Material. Fährt man nun mit dem Finger an dem großen Besen vorbei, so erkennt man dass die Borstenbündel im Bereich des kleinen Besens nicht mehr so leicht bewegt werden können. Dies entspricht der Steigerung des Elastizitätsmoduls im Material. Das heißt, um die einzelnen Borsten bzw. Atome genauso weit auslenken zu können wie vorher, ist nun eine größere Kraft nötig. Außerdem wird durch den kleinen Besen bzw. Chip nun eine kürzere Strecke (Länge) des großen Besens bzw. Materials für Schwingungen frei beweglich, was neben der Änderung des Elastizitätsmoduls zu einer anderen Eigenfrequenz des Materials führt. Das heißt, die Auslegung des gesamten Materials bzw. des großen Besens wird geringer. Man spricht hier von Schwingungsreduktion durch Frequenzverschiebung im Gegensatz zur Schwingungsreduktion durch Masse oder Dämpfung.